Der Gläubige bleibt der Dumme

Kommentar für das PUR-magazin 2/20121

Im alten Israel legte der Hohepriester am Versöhnungstag einem Ziegenbock die Hände auf. Derartig mit den Sünden des Volkes belastet, wurde er – um die Schuld Israels aus der Mitte der Gemeinde zu entfernen – buchstäblich in die Wüste geschickt. Dieses Ritual wird zur Zeit auch im Erzbistum Köln vollzogen. Die neuen Hohepriester der Lokalpresse haben sich bereits einen Sündenbock ausgesucht: Rainer Maria Kardinal Woelki. Keine Frage: Der Missbrauchsskandal hat in erschreckender Weise deutlich gemacht, dass es auch in der katholischen Kirche eine jahrzehntelange Kultur der Bagatellisierung, des Wegsehens und Vertuschens, der Problemlösung durch Totschweigen und Versetzungen gegeben hat. Das wird auch dadurch nicht besser, dass die Kirche ein Spiegel der Gesellschaft ist. Keine Frage: Der Skandal hat auch die unglaubliche Inkompetenz, Trägheit und Naivität der Kirchenbehörden, ihrer Personal- und Aktenführung, des gesamten Managements, ans Licht der Öffentlichkeit gebracht.

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