Allerheiligen

Denn dadurch, dass die, die im Himmel sind, inniger mit Christus vereint werden, festigen sie die ganze Kirche stärker in der Heiligkeit…, hören sie nicht auf, … beim Vater für uns einzutreten, indem sie die Verdienste darbringen, die sie durch den einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus, auf Erden erworben haben … Daher findet durch ihre brüderliche Sorge unsere Schwachheit reichste Hilfe (LG 49)
KKK 956

Freut euch alle im Herrn am Fest aller Heiligen; mit uns freuen sich die Engel und loben Gottes Sohn.
Messbuch, Eröffnungsvers an Allerheiligen

Die römischen Katakomben waren keine Zufluchtsstätten in den Zeiten der Chistenverfolgung, sie waren in den ersten Jahrhunderten der Kirche Begräbnisstätten für die Märtyrer. Nachdem das Christentum sich immer weiter ausbreitete und schließlich Staatsreligion des römischen Reiches wurde, zogen die Katakomben fromme und weniger fromme Gesellen an, die es auf die verehrten und hochgeschätzten Reliquien abgesehen hatten, um die kostbaren Gebeine nicht selten zu verschachern. Diesem Treiben machte Papst Bonifatius IV. im Jahr 609 ein Ende. Er ließ die Reliquien in Sicherheit bringen – und zwar in das Pantheon, ursprünglich ein alter römischer Tempel, der in heidnischen Zeiten der Verehrung aller Götter gewidmet war. Das beeindruckende Bauwerk mit der großen, offenen Kuppel wurde zu einer christlichen Kirche. Und das Fest der Einweihung dieser neuen Kirche wurde im Laufe der Zeit mit den übrigen Gedenktagen, die der großen Gemeinschaft aller Heiligen gewidmet waren, verbunden. Aber nicht nur das Pantheon – jede katholische Kirche ist auch eine Grabeskirche. In jeder Kirche finden wir ein Grab der Märtyrer und anderer Heiliger, deren Reliquien im Altar eingelassen sind. Das Grab eines Heiligen ist nämlich mehr als ein Ort der Trauer und des Abschieds: Es ist ein Zeichen der Hoffnung, ein Zeugnis dafür, daß es eine stärkere Macht gibt als den Tod und daß diese Macht einen Namen hat: Jesus Christus. Ein Heiligengrab ist nicht nur ein Zeichen des Sterbens, es ist ein Zeichen der Auferstehung. Es sagt uns, daß Gott stärker ist als der Tod und daß derjenige, der in Christus hineinstirbt, ins Leben hineinstirbt. Und immer schon haben die Menschen die Nähe der Heiligengräber gesucht und hatten den Wunsch, auch selbst in der Nähe eines Märtyrergrabes beigesetzt zu werden. Was sie gedacht haben, kann man sich leicht vorstellen: Sie wollten im Tod und in der Auferstehung in guter Gesellschaft sein. Sie wollten sich auch im Tod mit den Heiligen und damit auch mit der rettenden Macht Jesu Christi selbst verbinden. Die Gemeinschaft der Heiligen umspannt Leben und Tod. An ihr hält man sich gerade im Sterben fest, um nicht ins Leere zu fallen; um von ihnen hinaufgezogen zu werden ins wahre Leben; um in ihrer Gesellschaft nicht alleine vor dem Richter zu stehen und durch ihr Mitsein in der Stunde des Gerichts bestehen zu können. (Josef Ratzinger) Bis hinein in unsere Tage ist diese alte Überzeugung lebendig geblieben. Wenn unsere Vorfahren den Friedhof direkt neben der Kirche angelegt haben, dann geschah das in dieser alten Tradition. Zugleich aber ist jeder Friedhof, auf dem wir unsere lieben Verstorbenen beisetzen, zu einem Ort der Hoffnung geworden. Im christlichen Begräbnis drückt sich die Überzeugung aus: Ich glaube dir, Christus, dem Auferstandenen. Ich halte mich fest an dir. Und wie ich im Leben nicht alleine, nur auf mich selbst gestellt, existieren konnte, so will ich dir auch im Sterben und im Tod in der großen Gemeinschaft der Heiligen begegnen. Nicht, was wir haben, zählt, sondern was wir vor Gott und für die Menschen sind – das zählt! Wir sind eingeladen, so zu leben, daß wir nicht aus der Gemeinschaft der Heiligen herausfallen. Wir sind eingeladen, jetzt und hier das zu suchen und das zu sein, was im Tod und in der Ewigkeit bestehen kann.