Amen

Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. – Amen. Komm, Herr Jesus!
Offb 22,20

Jesus Christus selbst ist das «Amen» (Offb 3,14). Er ist das endgültige Amen der Liebe des Vaters zu uns; er übernimmt und vollendet unser Amen an den Vater: «Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat. Darum rufen wir durch ihn zu Gottes Lobpreis auch das Amen» (2 Kor 1,20).
Katechismus der Katholischen Kirche, 1065.

Das hebräische Wort Amen ist vielleicht eines der am meisten unterschätzten heiligen Worte, die wir tagtäglich gebrauchen, ohne groß darüber nachzudenken. Ganz wörtlich übersetzt bedeutet es „fest sein“, es ist ursprünglich die eigene Zustimmung zu dem, was ein anderer sagt. Im Alten Testament wird es an verschiedenen Stellen so verwendet, und zwar nicht nur am Ende eines Gebetes oder eines Segens. Auch bei Flüchen, Schwüren oder Beschwörungen wird es als Wort der Zustimmung benutzt. „Wer Amen sagt, erklärt dadurch, daß das Wort des anderen auch für ihn gilt.“ (J. Baur) Aber natürlich finden wir Amen auch im Alten Testament in den Psalmen und im gottesdienstlichen Gebrauch – die Gemeinde antwortet auf die Verheißung Gottes, auf seine Taten in der Heilsgeschichte, wie sie die Heilige Schrift bezeugt. Amen ruft die Gemeinde im Gottesdienst, das heißt soviel wie: Ja, so ist es! – und in diesem Sinne verwenden wir Amen auch heute noch in der Liturgie.
Auch Jesus verwendet den Begriff Amen, allerdings in einer neuen Weise. Im nächtlichen Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus sagt der Herr: „Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. … Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ (Joh 3,3.5) Jesus bezieht das Amen nicht auf die Rede eines anderen, sondern auf seine eigenen Worte. Jesus offenbart sich als einziger Mittler zum Vater: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh 14,6) Seine Lehre ist wahr, er verkündet das Wort Gottes, dies wird durch das vorangestellte Amen (im Johannes evangelium immer verdoppelt) deutlich gemacht: „Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen.“ (Joh 10,7) Jesu Amen ist wie eine Garantie, er spricht die Wahrheit, ja er ist selbst die Wahrheit, weil er Gott ist. Deshalb kann er ganz und gar Gottes Willen tun. Er allein betet Gott so an, wie es ihm gebührt – denn er ist ohne Schuld. Deshalb können wir ihn mit der Offenbarung des Johannes selbst das vollkommene Amen nennen. Wenn wir in der Kirche, in unserem Gebet das Amen sprechen, dann geben wir eine Antwort auf Gottes Ruf: Wir sagen Ja. Aber unser Amen, unser Ja ist oft ein schwaches, kleinlautes, ungläubiges, herzloses Ja. Unser Amen ist manchmal mit Einschränkungen verbunden, es ist zu oft ein „Ja, aber“. Unser Amen ist nicht vollkommen, aber wir dürfen es in das Amen Christi hineinsprechen. Wir dürfen unsere kleine Antwort, mit der wir auf den Ruf Gottes antworten, in die vollkommene Antwort hineinlegen, die Jesus Christus auf den Ruf des Vaters gegeben hat. So verbinden wir unseren schwachen Glauben mit dem Glauben des Herrn, unsere kläglichen Versuche, das Evangelium zu leben mit der vollkommenen Hingabe des Herrn an den Willen des Vaters. Und auf diese Weise wird unser Amen Tag für Tag kraftvoller, Tag für Tag entschiedener, Tag für Tag mit immer mehr Glauben, Hoffnung, Liebe und Hingabe erfüllt.