Garten

Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
Gen 2,8ff.

Als Jesus das geredet hatte, ging er hinaus mit seinen Jüngern über den Bach Kidron; da war ein Garten, in den gingen er und seine Jünger.
Joh 18,1

Es war aber an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und im Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war. Dahin legten sie Jesus wegen des Rüsttags der Juden, weil das Grab nahe war.
Joh 19,41f.

Viele Menschen lieben ihren Garten. Einen Garten zu bauen und zu pflegen, Blumen zu züchten, Obst und Gemüse zu ziehen, der Natur eine Ordnung zu geben und ihre Früchte zu genießen – das bringt eine zutiefst menschliche Saite in uns zum Klingen, das rührt an eine uralte Sehnsucht, das erinnert an den ersten Garten auf Erden: das Paradies. Der erste Versuch Gottes, den Himmel auf Erden zu schaffen, hatte die Gestalt eines Gartens. Bis heute ist diese Erinnerung im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verankert. Aber der Garten spielt nicht nur im ersten Buch der Bibel eine Rolle, auch im Neuen Testament spielt ein Garten eine zentrale Rolle. Es ist der Garten Gethsemane, den Jesus und die Apostel nach dem Letzten Abendmahl aufsuchen, um dort im Gebet die Nacht zu verbringen. Während aber die Apostel einschlafen, wird dieser Garten zum Zeugen der schwersten Stunde Jesu. Im Gebet muss er sich durchringen, den Willen des himmlischen Vaters anzunehmen: sich am Kreuz hinzugeben für das Heil der Welt. Im Garten des Paradieses entschieden sich die ersten Menschen gegen Gott. Sie wollten kein Geschöpf sein, nicht abhängig vom Schöpfer; sie wollten aus eigener Kraft, aus eigener Macht heraus leben, existieren und entscheiden. Die Folge war das Ende des Paradieses, der Tod, das Getrenntsein von Gott in Zeit und Ewigkeit. Im Garten Gethsemane fällt Jesus die Entscheidung, dem Willen des Vaters zu gehorchen. Das hat weltentscheidende Folgen: Der Tod wird ein für allemal besiegt, die Menschheit wird erlöst, der Himmel steht offen, die Gemeinschaft mit Gott in Zeit und Ewigkeit wird wieder möglich. Der Garten Gethsemane wird so zum Gegenpol des Garten Edens. Und zugleich wird er zum Bild für unser Leben, für unser Christsein. Denn wenn wir Jesus nachfolgen wollen, dann müssen auch wir in diesen Garten hineingehen, in die Nacht der Angst und Verzweiflung, in die Nacht des Gebets. Auch wir müssen uns immer wieder durchringen, Ja zu sagen zum unbegreiflichen Willen des himmlischen Vaters, der uns Kreuz und Leid nicht erspart. Tröstlich allein ist die Vorstellung, dass wir dort nicht alleine sind, weil Jesus vor uns in diesen Garten hineingegangen ist und uns dort erwartet. Gemeinsam mit ihm und durch ihn können auch wir es schaffen, den Willen des himmlischen Vaters anzunehmen. Und dann verwandelt sich für uns dieser Garten vom Friedhof in einen Ort des Lebens und der Auferstehung. Im Garten berührt der Himmel die Erde nicht nur, sondern verwandelt sie. In der Auferstehung Christi sehen wir den Beginn dieser Verwandlung, den Beginn eines Prozesses, den niemand mehr aufhalten kann und der einmal die ganze Menschheit, die ganze Welt, den gesamten Kosmos umfassen wird. Gehen wir mit Christus in den Garten des Gebets, in den Garten mit dem Grab, in den Garten der Auferstehung und in den Garten des Paradieses.