Halleluja

Denn Jerusalem wird wieder aufgebaut … Halleluja ruft man in all seinen Gassen und stimmt in den Lobpreis ein: Gepriesen sei Gott; er hat uns groß gemacht für alle Zeiten.
Tob 13,17f.

Danach hörte ich etwas wie den lauten Ruf einer großen Schar im Himmel: Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht ist bei unserem Gott.
Offb 19,1

Nach Angaben des Weltverbands der Bibelgesellschaften (United Bible Societies) wurde die Bibel weltweit in 2527 Sprachen übersetzt (Stand 2011). Doch gleich, welche Ausgabe man wählt: Das hebräische Wort „Halleluja“ (in der lateinischen Bibel: Alleluja) wurde nie übersetzt. Es bedeutet: Lobet Jahwe! – dieser jubelnde Ausruf findet sich im Alten Testament vor allem in den Psalmen, im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes. Ursprünglich wurde dieser freudige Ruf im jüdischen Gottesdienst verwendet. Die Psalmen 113 bis 118, die im Hebräischen alle die Überschrift „Halleluja“ tragen, sind ein großes Lob- und Dankgebet („Hallel“), das bereits zur Zeit Jesu in der jüdischen Liturgie am Paschafest und am Laubhüttenfest mit besonderer Feierlichkeit gesungen wurde. Auch beim Letzten Abendmahl hat Jesus mit den Aposteln dieses Hallel gesungen. Der festliche Halleluja-Ruf hat später Eingang in den Gottesdienst aller christlichen Konfessionen gefunden. In der katholischen Messfeier hat dieser Ruf seinen Platz vor der Verkündigung des Evangeliums: Wir grüßen den auferstandenen Herrn, der in seiner Kirche gegenwärtig ist und uns im Wort der Frohen Botschaft begegnen will. Nur in den 40 Tagen der österlichen Bußzeit verzichtet die Kirche auf das Halleluja und ersetzt es durch einen anderen Ruf. Das ist ein Hinweis auf den Ursprung des neuen, christlichen Hallelujas: es ist Ausdruck der jubelnden Freude des Osterfestes. So wie Ostern der Ursprung des Sonntags ist („Jeden Sonntag Ostern feiern!“), so ist das ursprüngliche Halleluja das der Osternacht: Dreimal intoniert es der Priester, jeweils in erhöhter Tonlage – und aus dieser Nacht heraus wird es im ganzen Jahr weitergesungen bis zum Aschermittwoch.
Doch warum wurde das Halleluja nie übersetzt? Josef Ratzinger beantwortet diese Frage in einer Meditation über die Osternacht: „Denn dieses Wort »Alleluja« war gewiß ursprünglich ein hebräischer Ausdruck, der etwa so viel besagt wie »Preiset Jahwe«. Aber auf diese Bedeutung kommt es in der Liturgie der Osternacht nur noch sehr von ferne an. Wäre sie entscheidend gewesen, dann hätte man das Wort übersetzt. Aber es ging eben gar nicht um etwas, was man übersetzen kann. Sondern das Alleluja ist einfach das wortlose Sich-Aussingen einer Freude, die keine Worte mehr braucht, weil sie über allen Worten steht. Es gleicht damit gewissen Formen des Jauchzens und Jubilierens, die es in allen Völkern gibt wie das Wunder der Freude, des Frohseinkönnens und -dürfens quer durch alle Völker sich hinzieht.“ Der Gedanke des wortlosen Jauchzens und Jubilierens kommt vor allem in den reich ausgestalteten Melodien und Phrasen des Gregorianischen Chorals zum Ausdruck. So verbindet uns das irdische Halleluja mit der Liturgie des Himmels, wie sie in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird: der Himmel, das ist die wahre, reine Freude. Und wenn wir uns die Engel musizierend vorstellen und von den Heiligen des Himmels sagen, dass sie singen, dann ist das ein Bild dafür, dass sie ganz und gar von der Freude Gottes durchdrungen sind. In unserem Halleluja soll bereits jetzt schon etwas von dieser Freude des Himmels anklingen. Eine Legende erzählt von der Eroberung Karthagos durch die Vandalen. Als die Stadt gestürmt wurde, feierte man in der Kathedrale die Osternacht. Gerade sang nach damaligem Brauch ein Junge, der das Amt eines Lektors innehatte, das feierliche Halleluja, als Krieger die Kirche stürmten. Ein Pfeil durchbohrte den singenden Knaben – er konnte das österliche Halleluja, das er auf Erden angestimmt hatte, in der Herrlichkeit des Himmels vollenden.