Hausvater

Herr und Gott, kehre ein in dieses Haus und halte alle Nachstellungen des Feindes von ihm fern. Deine heiligen Engel mögen darin wohnen und uns in Frieden bewahren. Und dein Segen sei über uns allezeit. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Gebet in der Komplet

Mein Vater pflegte abends einen Rundgang durch das Haus zu machen. Wenn der Familientag zu Ende ging, die Kinder im Bett waren, nichts gefeiert und kein Besuch mehr erwartet wurde, mussten alle Türen verschlossen sein. War die Kellertür zu? Die Tür zu Terrasse? Die Haustür zweimal abgeschlossen? Keine ungebetenen Gäste, weder die Katze des Nachbarn noch finstere Langfinger sollten es im Schutz der Dunkelheit zu leicht haben, ins Haus einsteigen zu können. Die Familie war geschützt, konnte behütet schlafen. Ein schönes, symbolträchtiges Bild für unser christliches Leben! Ich denke immer an den Hausvater der Heiligen Familie, den Pflegevater Jesu, der die Verantwortung für die irdischen Belange seiner Braut Maria und des Gottessohnes Jesu übernommen hatte; eine Aufgabe, die wir zwischen den ganzen großen heiligen und frommen Dingen leicht aus den Augen verlieren. Aber auch eine heilige Familie muss etwas zu Essen auf dem Tisch haben und der Junge braucht wieder mal neue Sandalen, meine Güte, er hört gar nicht mehr auf zu wachsen. Die Rechnung ist schon wieder nicht bezahlt worden und der Herd zieht nicht richtig. Die Mauer am Gemüsegarten ist baufällig und, richtig, abends müssen die Türen verschlossen und verriegelt werden, damit kein Gesindel hereinkommt. Denn die Polizei kann man nicht einfach rufen, außerdem war der Rechtsstaat noch nicht erfunden und römische Legionäre, die auf ihre Art Ordnung schaffen, will man nun wirklich nicht im Haus haben. Das sind eine ganze Menge ganz irdischer, ganz alltäglicher, ganz normaler Familiensorgen, die für den heiligen Josef genauso groß und belastend und herausfordernd gewesen sein dürften wie für jeden von uns. Aber die Sorge des heiligen Josef hört nicht auf. Es ist seine Berufung, seine Bestimmung, sich zu sorgen und zu kümmern. Als Schutzherr der ganzen Kirche hat er alle Hände voll zu tun, um die Türen, Fenster und Kellerlöcher des Hauses Gottes zu verschließen, wenn sich die Dunkelheit des Bösen und die Finsternis des Irrtums herabsenken und an die Mauern der Kirche pochen. Da möchten sich der Geist der Spaltung und der Gleichgültigkeit, das Gift des Egoismus und des Hochmuts, die glitzernden Verlockungen irdischen Tands und falscher hehrer Ideale gerne breitmachen, ohne eingeladen zu sein und immer wieder bedarf es einiger Anstrengung, die ungebetenen Gäste wieder hinaus zu komplimentieren. Und wie viele hart arbeitende Christen, Äbtissinnen, Pfarrer, Familienmütter, Entwicklungshelfer, Ärztinnen, Katecheten und Lehrerinnen seufzen und bedrängen den heiligen Josef, weil für ihre Familien und Ordensgemeinschaften, für ihre afrikanischen oder südamerikanischen Bildungsprojekte und albanischen Kindergärten, für ihre Tropenkrankenhäuser und Impftstationen das Geld vorne und hinten nicht reicht? Hat der heilige Josef, der kluge und umsichtige Hausvater Jesu, als Finanzminister nicht immer noch geholfen? Und dann ist es auch seine Aufgabe, sich mit um das Haus meines eigenen Lebens zu kümmern. Wenn ich ihn bitte und lasse, wird er auch allabendlich gemeinsam mit den heiligen Engeln seinen Rundgang durch mein Lebenshaus machen, um die Dunkelheit der Sünde und die Nacht des bösen Feindes auszusperren. Wie schnell wird das Heim meines Herzens ungastlich und unfreundlich, wenn ich es zulasse, dass das Gottfremde und Gottwidrige durch offene Ritzen und Spalten in mein Leben einzieht! Stete Wachsamkeit ist gefragt. Und dabei hilft der heilige Josef. Er wird auch da sein, wenn einmal mein letztes Stündlein geschlagen hat und es gilt, sich aufzumachen, um die ewige Wohnung, das himmlische Vaterhaus zu erreichen. Mit dem Service eines so mächtigen Fürsprechers dürfte das dann kein Problem sein.