Herrlichkeit

Die Herrlichkeit des Herrn ließ sich auf dem Sinai herab, und die Wolke bedeckte den Berg sechs Tage lang. Am siebten Tag rief der Herr mitten aus der Wolke Mose herbei. Die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn auf dem Gipfel des Berges zeigte sich vor den Augen der Israeli-ten wie verzehrendes Feuer.
Ex 24,16f.

Lasst uns der Demut dessen ähnlich sein, dessen Herrlichkeit wir teilen wollen! Gerade der aber möge uns beistehen und uns seine Verheißungen erreichen lassen, der nach seiner großen Barmherzigkeit dazu imstande ist, unsere Sünden zu tilgen und seine Gaben in uns zur Vollendung zu bringen: Jesus Christus, unser Herr, der lebt und waltet in Ewigkeit!
Leo der Große, Sermo XXIII. 3. Predigt auf Weihnachten

Die Heiligkeit Gottes ist der unzugängliche Brennpunkt seines ewigen Mysteriums. Was in der Schöpfung und Geschichte von ihm offenbart ist, nennt die Schrift die Herrlichkeit, das Erstrahlen seiner Majestät. Gott krönt den Menschen „mit Herrlichkeit“, indem er ihn als sein „Abbild“, ihm „ähnlich“ (Gen 1,26) erschafft. Durch die Sünde hat der Mensch jedoch „die Herrlichkeit Gottes verloren“. Somit zeigt Gott seine Heiligkeit, indem er seinen Namen offenbart und kundtut, um den Menschen „nach dem Bild seines Schöpfers“ (Kol 3,10) neu zu schaffen.
KKK 2809

Das Wort Herrlichkeit, in der griechischen Bibel Δόξα (Doxa), im Hebräischen kâbôd, kann vielfältig übersetzt werden: Ruhm, Ehre, Pracht, Glanz oder Abglanz, himmlischer Lichtglanz, Erhabenheit oder Majestät – all das schwingt in dem Wort Herrlichkeit mit. Begeben wir uns auf die Spurensuche in der Bibel: Im Alten Testament wird kâbôd auch profan verwendet, wenn es etwa um das Ansehen des Volkes Israel geht oder von einem herrlichen Wald oder Berg die Rede ist. In Verbindung mit Gott aber – kâbôd Jahwe – geht es um die majestätische, überwältigende Erscheinung Gottes, die sich in gewaltigen Naturereignissen zeigt: im verzehrenden Feuer, in einer großen Wolke, im Gewittersturm und Erdbeben. In dieser Weise erscheint die Herrlichkeit Gottes vor dem Volk Israel, um es zu führen und ihm hilfreich beizustehen, aber auch um zu strafen: „Da erschien die Herrlichkeit des Herrn am Offenbarungszelt allen Israeliten, und der Herr sprach zu Mose: Wie lange verachtet mich dieses Volk noch, wie lange noch wollen sie nicht an mich glauben trotz all der Zeichen, die ich mitten unter ihnen vollbracht habe? Ich will sie mit der Pest schlagen und vertreiben; aber dich will ich zu einem Volk machen, das größer und mächtiger ist als dieses.“ (Num 14,10ff.) Wie immer setzt sich Mose für sein Volk ein, und Jahwe verzeiht. Nachdem das Volk Israel in Palästina seßhaft wurde, wird der Tempel zum religiösen Mittelpunkt des Volkes. Als Salomo den ersten Tempel erbaut hatte, brachte man die Bundeslade mit den beiden Tafeln der 10 Gebote in den Tempel. „Als dann die Priester aus dem Heiligtum traten, erfüllte die Wolke das Haus des Herrn. Sie konnten wegen der Wolke ihren Dienst nicht verrichten; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn.“ (1 Kg 8,10f.) Auch in späteren Zeiten offenbaren Propheten wie Jesaja oder Ezechiel, wie die Herrlichkeit Gottes den Tempel erfüllt (Ez 1,4ff., Jes 6,1ff.) – Jahwe ist der Gott in der Mitte seines Volkes, er ist der Immanuel, der Gott-mit-uns. Im Neuen Testament wird die Herrlichkeit Gottes in Jesus Christus offenbart, „er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens“. (Hebr 1,3) Freilich kann die Herrlichkeit Gottes in Jesus Christus zunächst nur im Glauben erkannt werden: „So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.“ (Joh 2,11) Als Petrus, Johannes und Jakobus auf dem Berg Tabor Zeugen der Verklärung des Herrn werden (z.B. Lk 9,28-36), offenbart sich ihnen die strahlende, leuchtende Pracht der Herrlichkeit Gottes, die wiederum mit der Wolke verbunden ist, aus der Gottes Stimme spricht. Vor allem das Johannesevangelium bezeugt, wie Jesus immer wieder um das Kommen der Herrlichkeit Gottes bittet, die sich in seinem Leiden und Sterben am Kreuz und schließlich in seiner Auferstehung offenbaren wird. So spricht Jesus nach dem Letzten Abendmahl: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen.“ (Joh 13,31f.) Der auferstandene Herr kehrt schließlich in den Himmel Gottes und seine Herrlichkeit zurück. Und wir bekennen im Credo der Kirche, daß er von dort in seiner Herrlichkeit am Ende der Zeiten wiederkommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten. Als Getaufte und Gefirmte, als Brüder und Schwestern Jesu, haben auch wir Anteil an seiner Herrlichkeit. Sie soll in unserem Leben aufscheinen, wenn wir bereit sind, das Kreuz mit Christus zu tragen, sie soll unser Erbe sein in Ewigkeit: „Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit.“ (2 Kor 4,17)