Himmelfahrt

Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.
Lk 24,50-53

Die Himmelfahrt Christi kennzeichnet den endgültigen Eintritt der menschlichen Natur Jesu in den himmlischen Bereich Gottes, von wo er wiederkommen wird, der ihn aber in der Zwischenzeit den Blicken der Menschen entzieht.

Katechismus der Katholischen Kirche, 665. «Himmelfahrt» ist nicht Weggehen in eine entfernte Zone des Kosmos, sondern die bleibende Nähe, die die Jünger so stark erfahren, dass daraus beständige Freude wird.“
Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., Jesus von Nazareth II, 307.

In dem Song „Himmel auf“ von Silbermond stellt der deprimierte Mann, der jeden Tag eintausend Kreuze trägt und dem jeder Tag aus der Hand gleitet, dieselbe Frage wie die rauschgiftsüchtige Frau, die sich einsam fühlt im kalten und gnadenlosen Berlin: „Wann reißt der Himmel auf ? Auch für mich, auch für mich. Wann reißt der Himmel auf ? Sag mir wann, sag mir wann.“ Als Christen können wir diese Frage ganz genau beantworten: Der Himmel ist bereits offen! Tod und Auferstehung Jesu Christi haben ihn geöffnet und der auferstandene Herr ist „als Sieger über Sünde und Tod aufgefahren in den Himmel. Die Engel schauen den Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Richter der Welt, den Herrn der ganzen Schöpfung. Er kehrt zu dir heim, nicht um uns Menschen zu verlassen, er gibt den Gliedern seines Leibes die Hoffnung, ihm dorthin zu folgen, wohin er als erster vorausging.“ (Präfation von Christi Himmelfahrt) Im Englischen gibt es, anders als im Deutschen, zwei verschiedene Begriffe für das Wort „Himmel“: heaven und sky. Sky ist der Himmel über uns, das Weltall, der Kosmos. Dort müssen wir den auferstandenen und erhöhten Herrn nicht suchen, er ist nicht wie eine Rakete ins All aufgestiegen. Christus ist nach seiner Auferstehung zum Vater zurückgekehrt, er ist im heaven, im Bereich Gottes, des himmlischen Vaters, der die Welt und das All in seinen Händen trägt. Und das bedeutet, wie Joseph Ratzinger in seinem Jesus-Buch anmerkt, daß die Himmelfahrt des Herrn ihn nicht von uns entfernt, sondern eine neue Weise möglich macht, in der er uns gegenwärtig sein kann.
Am letzten Sonntag haben wir im Evangelium gehört, wie Jesus seine Jünger auf sein Heilswerk vorbereitet: Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt. Er verspricht ihnen nicht nur den Beistand und die Gabe des Heiligen Geistes und hinter-läßt ihnen seinen Frieden, der buchstäblich nicht von dieser Welt ist, sondern spricht auch darüber, was nach seinem Tod und seiner Auferstehung geschehen wird: Ich gehe fort und komme wieder zu euch zurück. Hier ist kurz und bündig zusammengefaßt, was wir heute feiern: Christus geht fort – er geht zum himmlischen Vater, er kann nicht mehr in derselben Weise wie vor seinem Leiden, Sterben und seiner Auferstehung mit den Jüngern leben. Sein Leben geht nicht einfach weiter, er kann nicht da anknüpfen und weitermachen, wo er vor seinem Tod aufgehört hat. Sein Leben, das den Tod besiegt, ist etwas vollkommen Neues, als wäre eine neue Dimension in unsere Welt getreten. Der auferstandene Herr gehört ganz in den Bereich des Vaters, in den heaven. Doch ist sein Fortgehen zugleich auch ein zurückkommen: Als auferstandener und erhöhter Herr ist er uns gegenwärtig im Leib seiner Kirche. Deshalb freuen sich die Jünger bei der Himmelfahrt Christi. Sie wissen, daß Jesus sie nicht verlassen hat, sondern als auferstandener, erhöhter Herr in seiner Kirche gegenwärtig ist. Der Himmel ist aufgerissen, auch für mich. Ich kann dem Herrn begegnen in seinem Wort und Sakrament, ich bin als Getaufter und Gefirmter Glied seines geheimnisvollen Leibes. Insofern ist Himmelfahrt etwas, was auch schon an mir geschehen ist. Der Christ muß dort sein, wo Christus ist. Er bereitet uns eine Wohnung im himmlischen Vaterhaus. Das, was anfanghaft begonnen hat, wird sich einst an jedem von uns vollenden. Deshalb dürfen wir jetzt schon damit beginnen, aus der Freude zu leben. Der Himmel steht offen, auch für mich.