Im Dienst des Herrn

Damals sonderte der HERR den Stamm Levi aus, damit er die Lade des Bundes des HERRN trage, vor dem HERRN stehe, vor ihm Dienst tue und in seinem Namen den Segen spreche. So geschieht es noch heute. Deshalb erhielt Levi nicht wie seine Brüder Landanteil und Erbbesitz. Der HERR ist sein Erbbesitz, wie es der HERR, dein Gott, ihm zugesagt hat.
Dtn 10, 8-9

Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. Dann beteten sie: Du, Herr, kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen!
Apg 1, 23-25a

Als die zwölf Stämme Israels sich auf den Weg machen, um in das verheißene, Gelobte Land zu ziehen, wurde einer dieser Stämme, Levi, mit einer besonderen Aufgabe betraut: Dieser Stamm sollte nicht einen Teil des Landes besiedeln, sondern ganz und gar für den Gottesdienst da sein, die Bundeslade tragen, den Segen sprechen. Diese Form der Aussonderung gibt es in jeder Art des Gottesglaubens: Man trennt den Bereich Gottes, den heiligen, sakralen Bereich von dem Bereich der Menschen, dem weltlichen, profanen. (Profan bedeutet: sich vor dem Heiligtum befindend.) Diese Aussonderung gibt es nicht nur in der Welt des Alten Testaments, sondern formt auch heute noch unseren christlichen Glauben: Gegenstände, Gebäude, auch Menschen werden wie einst der Stamm Levi bestimmt für den Dienst an Gott. Im Hintergrund steht die Überzeugung, dass der Gottesdienst, die Anbetung Gottes und der Glaube an Gott frei sein müssen von jeglicher Verzweckung durch den Menschen. Wenn die Menschen in der Antike Gott ein Opfer darbrachten, dann hieß das: diese Erntegaben oder dieses Opfertier wird nicht mehr für menschliche Zwecke verwendet – die Opfergabe wird verbrannt, sie ist so ein Geschenk für Gott, von dem der Mensch nicht mehr profitiert. Wenn ich heute einen Rosenkranz segne, so bedeutet das: dieser Gegenstand dient ausschließlich dem Gebet. Sehen wir junge Menschen, die einen Rosenkranz als Modeartikel um den Hals tragen, wird uns zu Recht unwohl zumute. Eine Kirche wird geweiht und gesegnet und damit ist dieses Gebäude ein Haus Gottes. Es dient nur der Anbetung und Verehrung Gottes, der Liturgie der Kirche. Deshalb können wir es nicht als Partyhalle verwenden, dazu dient dann der Pfarrsaal. Auch eine Ordensfrau, die im Habit über die Straße geht, ein Pfarrer mit seiner Soutane und seinem Zölibat geben ein öffentliches Bekenntnis dafür ab, dass sie ihr Leben ganz und gar in den Dienst des Herrn gestellt haben. Und wenn wir am Sonntagmorgen eine Stunde unserer Zeit für den Gottesdienst opfern, dann ist auch diese Zeit ohne eigennützige Zwecke nur für Gott da. Manche Katecheten und Gottesdienstvorbereiter haben den Anspruch, dass die Menschen unterhalten werden müssen oder etwas lernen sollen. Sie denken, dass junge Menschen nur dann in die Kirche gehen, wenn eine coole Band spielt oder sie auf andere Weise besonders angesprochen werden. Diese Haltung verzweckt den Gottesdienst zu einem Ereignis, bei dem wir selbst, aber nicht Gott im Mittelpunkt stehen. Natürlich ist gegen eine packende Predigt oder einen tollen Organisten nichts einzuwenden – alles aber muss sich dem einen Ziel unterordnen: diese Zeit gehört Gott und wir gestalten sie mit dem Gottesdienst der Kirche. Als Christen sind wir in der Taufe in den sakralen Bereich Gottes hineingehoben worden. Wir wurden eine neue Schöpfung und haben – wie die Schrift sagt – Christus angezogen. Wir sind erfüllt von Gottes Leben und sind Glieder Christi und mit ihm und durch ihn Priester, Könige und Propheten. Auch und gerade, wenn wir mitten in dieser profanen Welt leben, sollen wir dieses neue Leben in uns wachsen lassen und unserem Bruder Jesus Christus immer ähnlicher werden. Und auf diese Weise dient dann auch unser Leben nicht nur unseren eigenen, egoistischen Zwecken, sondern wird immer mehr ein Leben der Liebe und Hingabe.