Kumpan

Gute Freunde sind ein Geschenk Gottes. Wahre Freunde schätzen einander hoch und halten sich die Treue in Freud und Leid; sie beten füreinander und helfen einander. Christus ist unser Bruder und Freund geworden und hat uns bis in den Tod geliebt. Dadurch zeigt er uns, wie wir unsere Geschwister und Freunde lieben sollen.
Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands (1955), Nr. 109.

Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele, mein Mund lobt dich mit jubelnden Lippen.
Ps 63,6

Welch ein Geschenk ist ein guter Freund! Einer, der mit dir durch dick und dünn geht, auf den wirklich Verlass ist. Einer, der hilft, ohne groß zu fragen, der da ist, wenn er gebraucht wird. Der für dich einsteht, wenn Not am Mann ist. Eben ein Freund, ein guter Kumpel, ein Kumpan. Wir alle haben einen solchen Freund in Jesus Christus, auch wenn wir die respektlose Bezeichnung Kumpel oder das auch negativ konnotierte Kumpan nicht gern für den Herrn verwenden möchten. Dennoch scheint in diesen Begriffen eine tiefe Wahrheit auf, stecken doch in diesen Begriffen aus dem späten Vulgärlateinisch die Worte con und panis. Der Kumpan ist eigentlich der Brotgenosse, der mich einlädt an seinen Tisch, mit dem ich das Brot teile. Und ein Kumpel, ein Freund in diesem Sinne, ist Jesus ja nun wirklich. Dabei stelle ich mir seinen Tisch nicht als hochelegante Tafel vor, mit steifleinernen Tischtüchern und Servietten, Batterien unterschiedlicher Gläser und gekühltem Salatbesteck. Der Tisch des Herrn ist ein eher ein alter Eichentisch, der blankgescheuert und abgenutzt in der Küche steht. Ich darf mich auf meinen Platz fallen lassen, meine Ellebogen aufstützen und behaglich und vernehmlich meine Suppe schlürfen. Aber es ist mein Platz, der auf mich wartet, wenn ich aus der anstregenden Welt mit ihrem Ärger und Streit und ihren Widerwärtigkeiten eintrete. Mein Platz, an dem ich willkommen bin, so, wie ich bin. Ich brauche keinen Frack und keine Abendgarderobe, um mich setzen zu dürfen. Na gut, Händewaschen wäre angebracht. Und dann ist mein Freund Jesus gleichzeitig auch die Speise, die gereicht wird. Kein Luxushäppchen, keine ausgefeilte Delikatesse, kein Amouse-Gueule, kein Gruß aus der Küche. Nein, Jesus selbst ist Schwarzbrot, feste, kräftige Nahrung, die lebenswichtig ist, Fett und Mark, die die Seele satt machen, die mich stark machen für die „Schwerstarbeit meines Lebens“ (Erich Zenger). Eine solche Speise ist der Herr, solch eine Nahrung hat er angekündigt, damals, in der Synagoge von Kafarnaum „Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt..“ (Joh 6,48-51) So darf ich sonntäglich, ja auch werktäglich meinen Platz am Tisch des Herrn einnehmen und die Speise genießen, die mein Freund Jesus selbst ist. Und wie es früher die Kinder im Religionsunterricht auswendig gelernt haben, ist es heute noch: Jesus schätzt mich hoch, er hält mir die Treue und Freud und Leid. Er betet für mich und hilft mir. Aber Freundschaft ist gegenseitig. Auch mein Kumpel ist auf meine Hilfe angewiesen. Und gestärkt mit seiner Speise kann ich ich mit anpacken. Denn: „Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen. Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.“ (Gebet aus dem 14. Jahrhundert)