Lohn

Wenn ihr davon das Beste abliefert, wird es den Leviten angerechnet wie der Ertrag von Tenne und Kelter. Diesen dürft ihr überall essen, ihr und eure Familien, denn Lohn ist es für euch, Entgelt für euren Dienst am Offenbarungszelt.
Num 18, 31

Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt wegnimmt, und Blut vergießt, wer einem Lohnarbeiter den Lohn raubt.
Sir 34, 26f.

Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert.
Lk 10, 7

Auch wenn der Herr uns auffordert, „Schätze im Himmel“ zu sammeln, wo Motte, Wurm und Diebe ihnen nichts anhaben können (Mt 6,19f.), wir Christen also nicht auf Erden sind, um Reichtümer anzuhäufen, fällt die Heilige Schrift doch ein entschiedenes Urteil über den gerechten Lohn. Die biblischen Vorstellungen aufgreifend entwickelt die Kirche in den Diskussionen über die „Soziale Frage“ des 19. Jahrhunderts eine eigene Soziallehre, den Auftakt macht Leo XIII. mit der Enzyklika „Rerum novar-um“. Sie ist eine Antwort auf die Problemlage, die durch Industrialisierung, Massenelend und den ungezügelten Kapitalismus des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Liberalismus und Kapitalismus forderten das Recht auf Eigentum ohne weitere Verpflichtungen, Kommunisten und Sozialisten beharrten auf dem Standpunkt, dass der Staat Träger allen Eigentums, persönliches Eigentum also Diebstahl oder Mißbrauch ist. Leo XIII. zeigte einen dritten, den solidarischen Weg: das Recht auf Eigentum des Einzelnen verbindet sich hier mit den sich aus dem Eigentum ergebenden Pflichten Gott und der Gesellschaft gegenüber. Die zentrale Frage aber ist die nach dem gerechten Lohn – und die Antwort, die die Kirche gibt, hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Bereits Leo XIII. fordert den „Lebenslohn“, der so hoch sein muss, dass der Arbeiter sich selbst und seine Familie erhalten kann. In der Enzyklika „Quadragesimo anno“ knüpft Pius XI. an diesen Gedanken an und stellt drei Kriterien für die Findung eines gerechten Lohnes auf: Der Lohn muss so hoch sein, dass der Lebensbedarf des Arbeiters und seiner Familie gedeckt wird; die Lebensfähigkeit des Unternehmens darf nicht durch übertriebene Löhne gefährdet werden. Und schließlich ist das Gemeinwohl, das „bonum commune“, in Betracht zu ziehen. Positiv wird es gestärkt, wenn ein ausreichend hoher Lohn dem Arbeitnehmer die Möglichkeit gibt, etwas anzusparen und „allmählich zu bescheidenem Wohlstand“ zu gelangen; negativ wird es durch Arbeitslosigkeit belastet, die „sowohl durch eine zu stark gedrückte als eine übersteigerte Lohnhöhe“ verursacht wird. (QA 74.) Und bis heute gilt: „Der Arbeitslohn, der nicht als einfache Ware verstanden werden kann, muss es dem Arbeiter und seiner Familie ermöglichen, zu einem wahrhaft menschlichen Lebensniveau im materiellen, sozialen, kulturellen und geistigen Bereich Zugang zu erhalten. Es ist die Würde der Person, die das Kriterium zur Beurteilung der Arbeit bildet, und nicht umgekehrt. Wie immer die Arbeit geartet ist, der Arbeiter muss sie als Ausdruck seiner Persönlichkeit leben können. Von daher ergibt sich die Forderung nach einer Mitbeteiligung, die – weit über eine Teilnahme an den Früchten der Arbeit hinaus – auf der Ebene der Planung, der Initiativen und der Verantwortlichkeiten eine wirklich gemeinschaftliche Dimension einbringen sollte.“ („Libertatis conscientia“, Instruktion der Kongregation für die Glaubenslehre über die christliche Freiheit und die Befreiung (1986), 86.)