Mein ganzes Herz

Dein ist mein ganzes Herz!
Wo du nicht bist, kann ich nicht sein.
So, wie die Blume welkt,
wenn sie nicht küsst der Sonnenschein!
Dein ist mein schönstes Lied,
weil es allein aus der Liebe erblüht.
Sag mir noch einmal, mein einzig Lieb,
oh sag noch einmal mir:
Ich hab’ dich lieb!
Arie aus der Operette „Das Land des Lächelns“ von Fritz Löhner-Beda und Ludwig Herzer, Musik: Franz Lehár

Die berühmte Arie „Dein ist mein ganzes Herz“ wurde dem Tenor Richard Tauber gewidmet, er sang sie zur Uraufführung und machte sie später ungeheuer populär, sie galt als „Weltschlager“. Eine Liebeserklärung mit großen Emotionen, Pathos pur, Kitsch as Kitsch can. Mancher denkt vielleicht: Das ist mir zu viel Gefühlssoße, das ist zu schmalzig, das entspricht so gar nicht meinem Denken und Fühlen. Das liturgische Pendant zu dieser Arie ist die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu und des Unbefleckten Herzens Mariens in der katholischen Kirche. Oder auch das bekannte Bild des Barmherzigen Jesus, der mit seinem verträumten Augenaufschlag und seinem süßlichen Lächeln manche nüchternen Christen genauso abschreckt wie eine Jesus- Statue aus dem 19. Jahrhundert, die in der ausgestreckten Hand ein mit Flammen bekröntes Herz zur Verehrung darreicht. Natürlich verstehen wir, dass jede Zeit ihre eigenen religiösen, künstlerischen und manchmal kitschigen Ausdrucksformen entwickelt und natürlich können und müssen wir den bleibenden Gehalt solcher Bilder festhalten: Das Herz ist ein biblisches Symbol, das für den ganzen Menschen steht, für seine ganze Person und sein ganzes Leben. Und wenn wir das „Unbefleckte Herz Mariens“ verehren, dann bedeutet das, auf die Person der Gottesmutter zuzugehen, die offen für das Wort und Wirken Gottes war. In ihr sehen wir einen Menschen, der ganz und buchstäblich von Gott erfüllt war, der aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht hat, sondern es mit Christus, dem lebendigen Gotteswort, füllen ließ. Die Verehrung dieses Herzens, das zum Zeichen der Gottesherrschaft im Menschen wurde, hilft uns dabei, selber zu solchen empfangenden Menschen zu werden, die bereit sind, sich von Gott berühren und beschenken zu lassen und die möchten, dass der Egoismus und die Lieblosigkeit immer mehr aus ihrem Leben verschwinden. Die sich um eine Haltung der Selbstlosigkeit und Hingabe bemühen, die im Nächsten Christus erkennen und ihm dienen. Und es ist richtig: Um eine solche Glaubenshaltung zu entwickeln, die sich aus dem Wort des lebendigen Gottes nährt und im Evangelium wurzelt, brauche ich keine kitschigen Bilder und süßlichen Jesus-Darstellungen. Ich kann andere, zeitgenössische, eigene – meine – Bilder finden, die Ausdruck meines Glaubens sind und mich anrühren und dem Himmel ein Stück näher bringen. Auf der anderen Seite aber machen wir auch die Erfahrung, dass manchmal etwas Pathos, etwas Gefühlsüberschwang, eine wegwerfend-großartige Geste, ein sich-Verschenken-wollen unserem Alltagsleben gut tut. Jeder hört gerne einmal von einem anderen Menschen den ehrlich gemeinten Satz: Ich lege dir mein Herz zu Füßen. Jeder möchte einmal erleben, dass ein anderer sich vorbehaltlos hingibt, sich ganz verschenkt und alles auf eine Karte setzt. Das darf dann ruhig mit etwas Glitzer und Glitter verziert werden, nicht an jedem Tag, aber vielleicht in einer besonderen Stunde. Und wenn wir auf den Gott schauen, der wirklich Mensch geworden ist, dann dürfen wir seine Liebe, seine Hingabe, seine Barmherzigkeit, die auch den letzten und größten Sünder einholt und nicht verloren gibt, auch ab und an mit etwas Bling-Bling feiern. Und hören, wie Gott zu uns spricht: Dein ist mein ganzes Herz! Wo du nicht bist, kann ich nicht sein.