Pfingsten

Das Wochenfest sollst du für dich feiern mit den Erstlingsfrüchten von der Weizenernte.
Ex 34, 22a

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
Lk 2,1f.

Am Pfingsttag (am Ende der sieben Osterwochen) vollendet sich das Pascha Christi in der Ausgießung des Heiligen Geistes. Dieser wird als göttliche Person offenbar, gegeben und mitgeteilt. Christus der Herr spendet den Geist in Überfülle.
KKK 731

Der große Kirchenlehrer Augustinus brachte die Einheit von Altem und Neuen Testament auf die griffige Formel: Das Neue Testament ist im Alten verhüllt, das Alte im Neuen enthüllt. Altes und Neues Testament gehören zusammen, erzählen die eine Heilsgeschichte, in der sich Gottes Plan in verschiedenen Stufen erfüllt. Dieser Zusammenhang wird auch bei den Festtagen des Alten Bundes sichtbar, die im Neuen Bund mit und durch Jesus Christus ihre Vollendung erfahren: Das Paschafest, das Gedenken an den Auszug aus Ägypten vollendet sich im Pascha Christi, der als neues und wahres Opferlamm stirbt und aufersteht und so den Tod besiegt. Und auch das Pfingstfest, das wir fünfzig Tage nach Ostern feiern (der griechische Ausdruck Pentekoste bedeutet: der 50. Tag), hat eine lange Geschichte im Alten Bund. Ursprünglich war das „Wochenfest“ mit dem Erntedank am Ende der Getreideernte verbunden und wurde auch „Fest der Ernte“ oder „Fest der Erstlinge“ genannt und sieben Wochen nach dem „Fest der ungesäuerten Brote“ gefeiert. Im Laufe der Jahrhunderte verband man mit dem Wochenfest auch das Gedenken den Bundesschluss am Sinai, wo Gott dem Mose die Zehn Gebote als Grundlage des Bundes überreichte. Vor dieser alttestamentlichen Folie können wir unser heutiges Pfingstfest in einem neuen Licht betrachten. Es ist nicht nur der Geburtstag der Kirche, die an diesem Tag in die Öffentlichkeit tritt, nicht nur die Vollendung und Krönung der Osterzeit, es ist das Stiftungsfest des Neuen Bundes. Am Sinai errichtete Mose einen Altar und zwölf Steinmale für die 12 Stämme Israels. Mit dem Blut geopferter junger Stiere besprengte Mose den Altar und verlas das Buch des Bundes. Das Volk antwortete: „Alles, was der HERR gesagt hat, wollen wir tun; und wir wollen es hören.“ (Ex 24,7) Dann besprengte Mose das Volk mit dem Blut des Bundes, den Jahwe mit dem Volk schließen will. Beim Letzten Abendmahl reicht Christus den Aposteln den Kelch mit Wein: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“ (Lk 22,20) Durch die Sendung und Kraft des Heiligen Geistes hören und verstehen wir das Evangelium des neuen Bundes und können in jeder Messfeier das Opfer Christi feiern. Mit der Sendung des Heiligen Geistes vollendet sich der Neue Bund, der nicht nur die 12 Stämme Israels, sondern alle Menschen, alle Völker mit Gott verbinden will durch den einen Mittler Jesus Christus. Wir können Pfingsten so auch als neues Erntedankfest begreifen, aber wir danken nicht für die Früchte der Erde, sondern für die Gaben des Geistes, der uns zu Kindern Gottes macht, uns das neue Leben schenkt und die Gemeinschaft mit Gott: „Der Heilige Geist, den Christus, das Haupt, in seine Glieder strömen läßt, erbaut, beseelt und heiligt die Kirche. Diese ist das Sakrament der Gemeinschaft zwischen der heiligsten Dreifaltigkeit und den Menschen.“ (KKK 747)