Vorrat

Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann werde ich zu meiner Seele sagen: Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freue dich! Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast? So geht es einem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber bei Gott nicht reich ist.
Lk 12, 16b-21

„Wenn ich einmal reich wär / o je widi widi widi widi widi widi bum / alle Tage wär ich widi bum / wäre ich ein reicher Mann!“ – Alle kennen diesen Song aus dem Musical Anatevka. Und Hand aufs Herz: Wer von uns hat noch nicht mit dem Gedanken gespielt, wie es wäre, wenn man Millionen im Lotto gewänne? Welche Wünsche man sich erfüllen könnte? Hauptsache, es würde uns nicht so ergehen wie den Lottomillionären, die alles in kurzer Zeit mit vollen Händen verschenkten und verschwendeten und am Ende ärmer als zuvor dastanden. Da scheint es doch sinnvoll zu sein, zumindest einen Teil des Vermögens bombensicher anzulegen. Das hat sich auch der reiche Mann im Gleichnis Jesu gedacht – doch Gott macht ihm einen dicken Strich durch die Rechnung: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.“ Der Reiche hat es überall im Evangelium schwer: „Denn leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Lk 18,25) Sollten wir es also besser mit dem englischen Fußballer George Best halten? Er sagte einmal: Die Hälfte meines Vermögens habe ich für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst! Das kann eigentlich auch nicht die Lösung sein. Doch wie gehen wir mit unserem Vermögen, unserem Reichtum um? Die Antwort verbirgt sich in dem Wort „Vorrat“. In diesem Begriff steckt das Wörtchen „Rat“, so wie in Hausrat, Unrat, Ratschlag oder auch Heirat. Rat – das bedeutet eigentlich: „das zum Leben Notwendige; das, was man zum Leben braucht.“ Und da trifft es sich gut, dass wir Maria als „Mutter des guten Rates“ anrufen. Sie gibt uns im wörtlichen Sinne den guten Rat schlechthin: ihren Sohn Jesus Christus. Er ist wirklich das, was wir zum Leben brauchen. Mit ihm und durch ihn sollen wir einen großen Vorrat anlegen und die Scheunen unseres Lebens füllen. Die Grundidee des reichen Mannes war eigentlich nicht schlecht. Er hat nur die falschen Schätze gesammelt. Füllen wir unsere Scheunen mit der Freundschaft zu Jesus, mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Füllen wir sie mit der Gnade der Sakramente, dem Leben in der Gemeinschaft der Kirche, dem Gebet. Füllen wir sie mit unserer Freundlichkeit, Großzügigkeit, Großherzigkeit. Mit unserer Bereitschaft, einander zu vergeben. Mit unserem Mut, in Gesellschaft und Öffentlichkeit zu Christus und seiner Kirche zu stehen. Mit dem guten Rat, den wir anderen geben. Mit unserer Zeit, die wir verschenken. Also kurz: mit allem, was wir nicht für uns selbst behalten, genießen und ausgeben, an dem wir uns nur selbst erfreuen wollen. Denn das war der grundlegende Fehler des reichen Mannes. Nicht umsonst leitet Jesus das Gleichnis mit den Worten ein: „Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier!“ (Lk 12,15) Die Habgier verschließt unser Herz und macht uns blind für den Nächsten und blind für Gott. Wer nur an sich selbst denkt und nur für sich selbst lebt wird unfähig für den Himmel, der ja wesentlich Gemeinschaft bedeutet, Gemeinschaft mit Gott und den Engeln und Heiligen. Bitten wir Maria, die Mutter des guten Rates, um ihre Hilfe und Fürsprache. Bitten wir sie, dass sie uns an ihre Hand nimmt, damit wir die rechten Vorräte sammeln, die uns reich bei Gott machen. An ihrer Seite werden wir fähig, unser Herz zu öffnen, wie sie es getan hat, damit wir das zum Leben Notwendige, das Allerwichtigste niemals entbehren: ihren Sohn Jesus Christus, unseren guten Rat.